ONLINESHOP UND NACHHALTIGKEIT - (K)EIN WIDERSPRUCH

 
Wir sind ein nachhaltiger Onlineshop - aber ist das kein Widerspruch? Wir haben das mal genauer recherchiert.
Manche Meinungen lauten:
  • Lieferfahrzeuge müssen zu jedem einzelnen Kunden fahren - statt einer einmaligen Tour zu einem Geschäft. Das bedeutet höheren Benzinverbrauch.
  • Die Innenstädte sterben aus wegen des Onlinehandels.
Ist Onlineshopping nachhaltig?Es gibt verschiedene wissenschaftliche Studien, die die Nachhaltigkeit des Onlineversands mit dem stationärem Handel vergleichen. Die meisten kommen zu dem Ergebnis, dass der Onlinehandel im Durchschnitt sogar ein bisschen besser abschneidet. Die größten Umweltwirkungen bei diesem direkten Vergleich entfallen auf die sogenannte "letzten Meile" und die Art der Verpackung.

Der Onlinehandel hat eine bessere Klimabilanz als der stationäre Handel.

Das heißt, wer Online bestellt, verursacht in dieser Hinsicht weniger CO2 als Menschen, die im Geschäft vor Ort einkaufen. Natürlich basieren die Studienergebnisse auf der Gesamtheit aller Einkäufe. Es ist nur ein Durchschnittswert, der aber zumindest in der Hinsicht beruhigen kann, dass man nicht grundsätzlich falsch handelt, wenn man bequem auf dem Sofa sitzend seine Einkäufe tätigt.

So einfach ist es mit der Nachhaltigkeit natürlich nicht, da muss man doch genauer hinschauen. Z.B. ob jemand auf dem Land, in einer Kleinstadt oder in einer Großstadt lebt, beeinflusst wesentlich, wie weit die Wege sind. Dazu kommt, mit welchem Fortbewegungsmittel man so unterwegs ist. Wenn Sie also weit weg von physischen Geschäften wohnen, deren Waren Sie gern kaufen möchten, handeln Sie automatisch nachhaltiger, wenn Sie Online bestellen, statt mit dem PKW weite Strecken zurück zu legen.

Doch auch für Großstädter, deren CO2-Fußabdruck insgesamt niedriger liegt, wenn sie mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind und in nahe gelegenen Läden alles bekommen, was sie sich wünschen, ist der Online-Einkauf tatsächlich zunächst mal nachhaltig. Denn Läden haben riesige Flächen, die beleuchtet, beheizt und im Sommer leider auch gekühlt werden müssen. Selbst das für den Onlineversand verwendete Verpackungsmaterial ist nicht per se schlimmer oder mehr. Denn auch zu den Läden kommt die Ware ja nicht unverpackt. Man sieht nur oft nicht, wie genau die Anlieferung erfolgt.

Man sollte die Dinge immer im einzelnen angucken und hinterfragen. Besonders beim Thema Nachhaltigkeit.

So ist es zum Beispiel nicht nachhaltig, wenn man von einem schlecht und unfair bezahlten Fahrradboten die Ware in weniger als 10 Minuten geliefert bekommt. Denn ganz ehrlich: muss das so schnell sein? Eine der Säulen der Nachhaltigkeit ist der soziale Aspekt! Express-Lieferungen sind ohnehin wenig nachhaltig, denn sie verhindern das Zusammenfassen mehrerer Lieferungen zu einer sinnvoll geplanten Route.

Auch mengenmäßig mehr zu kaufen als nötig, nur weil man es nicht selber schleppen muss oder Black Friday einen zum Kauf verführt, ist natürlich nicht nachhaltig. Und Kleidung, bei der man wegen der Größe unsicher ist, sollte man unter Umständen lieber im Laden anprobieren statt die Retoure schon einzuplanen. Übrigens: Beim Kauf neuer Bettwäsche wissen Sie die Größe im Voraus. Einer der Gründe, weshalb wir extrem wenige Retouren haben.

Der Onlinehandel selbst kann auch unterschiedlich nachhaltig sein.

Natürlich kommt es zunächst auf das Produktangebot an. Aber auch auf folgende Themen: Können Retouren durch eine gute Produktbeschreibung möglichst vermieden werden? Wie und wo wird Marketing betrieben?  Auf welchen Servern läuft der Shop? Wie wird mit Kundendaten umgegangen?

Der zweite Vorwurf lautet: Der Onlinehandel trägt zum Sterben der Innenstädte bei. Nun, dazu haben wir eine eindeutige Meinung. Wir Menschen sind soziale Wesen. Das heißt, wir werden immer Interesse an gemeinschaftlich genutzten Flächen haben, an Treffpunkten um uns auszutauschen.

Nicht der Onlinehandel lässt Innenstädte unattraktiv werden. Es ist Sache guter Politik und Städteplanung, attraktive öffentliche Flächen zu schaffen.

Müssen dort nun wirklich unbedingt Geschäfte sein? Konsum / Shopping ist ganz sicher nicht das entscheidende Merkmal einer intakten Innenstadt. Die Gesichter der meisten Innenstädte weltweit werden inzwischen von denselben Ketten beherrscht. Wenn sich daran etwas ändert - nur zu, gerne!

Kleine, individuelle, idealerweise lokaltypische Geschäfte mit ausgesuchtem Angebot, Buchläden, die z.B. Autorenlesungen anbieten, Cafés, Restaurants, soziale Orte mit Eventcharakter wie (Straßen-) Theater u.ä., an Klima und Charakter des Ortes angepasste Plätze mit Bäumen, Bänken und Bouleplatz (jetzt nur mal als sympathisches Beispiel) nehmen die Menschen gern an und sollten natürlich nicht vom Onlinehandel vertrieben werden. Kommunikation mit den Anwohnern ist hierbei ein ganz entscheidender Gesichtspunkt. Allerdings: Auch an dieser Stelle muss man klar unterscheiden zwischen kleinen Onlineshops mit nachhaltigem Angebot und Platzhirschen wie A*** (Sie wissen schon). Aber das ist ein anderes Thema....

Jetzt kommen wir zum entscheidenden Punkt:

Bis zu 75% der Treibhausgas-Emissionen im gesamten Lebenszyklus eines Produkts entstehen bereits während der Herstellung.

Das hat u.a. eine Studie für das Umweltbundesamt ergeben: "Die Ökologisierung des Onlinehandels" (Link siehe weiter unten). Um ein ehrliches Ergebnis zu erhalten, muss man deshalb immer den gesamten Lebenszyklus eines Produktes einbeziehen. Die sogenannten "letzten Meilen" zum Endkunden fallen da wenig ins Gewicht. Die gesamte Lieferkette muss betrachtet werden. Und da wir unter "Nachhaltigkeit" nicht nur  "Klimabilanz" verstehen, sondern auch alle anderen Faktoren mit einbeziehen sollten, wie z.B. Soziales, ist der einfache Vergleich "Stationärer Einkauf versus Online Shopping" viel zu kurz gedacht. Nachhaltigkeit ist ein sehr komplexes Thema.

Materialbeschaffung, Herstellung, Transport zum Händler, die Nutzungsphase und selbst die Recyclebarkeit gehen in die Berechnung ein. Hier gibt es sehr viele Stellschrauben. Der Anteil der Umweltwirkungen im Verkauf ist, in der Gesamtbilanz der Umweltwirkungen gesehen, ehr klein.

Einen großen Einfluss auf die Klimabilanz hat auch die Langlebigkeit des Produkts.

Gute Qualität zahlt sich aus. Nehmen wir einen Bettbezug als Beispiel: Zwei identische Produkte á 50,- EUR, die jeweils 1 Jahr halten und nacheinander konsumiert werden, sind ökonomisch gesehen genauso teuer wie ein Produkt, das 100,- EUR kostet und zwei Jahre hält. Eine einfache Rechnung, bezogen auf den Endpreis für Verbraucher. Ökologisch gesehen hat das teurere Produkt eine wesentlich bessere Bilanz: Es entnimmt der Natur nur die Hälfte der Ressourcen, muss nur einmal hergestellt und nur einmal transportiert werden. Wenn es dann, nach mehreren weiteren Jahren, doch irgendwann kaputt geht, kann aus einem guten Grundstoff (also keine untrennbare Materialmischung) ein anderes, neues Produkt hergestellt werden. Z.B. mehrere Kissenbezüge, Taschen zur Unterbringung von Socken, Kleiderschutzhüllen und anderes. Das ist Kreislaufwirtschaft. 

Last but not least: auch in Ihrer Eigenschaft als Nutzer:in können Sie zur Klimabilanz beitragen - und zwar nicht nur bei der Entscheidung, wie die Ware zu Ihnen kommt. Je länger die Ware hält, um so besser die Klimabilanz. Tägliche Gewohnheiten hinsichtlich sorgfältiger Pflege, Waschen bei niedrigeren Temperaturen und der Verzicht auf maschinelles Trocknen sparen Energie und schonen die Ware außerdem.

So können wir alle gemeinsam einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

Siehe auch: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/die-oekologisierung-des-onlinehandels